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Donnerstag, 19. Mai 2011

60 Kilometer abschwitzen

Der erste Blick nach Verlassen des Reinhard'schen Hofes fällt auf diesen Hinweis. Da wird dann endlich klar, warum das Schicksal am Vorabend in den anderen Hotels alle Betten belegt hatte.

You've come a long way, Baby.

Eigentlich sollte man eine solche Tour ja entspannt ausklingen lassen, aber je näher man Frankfurt kommt, desto schwieriger wird das. Auf dem Weg nach Aschaffenburg regt man sich darüber auf, dass die städtischen Wasserwerke im Gebiet entlang des Weges etwas installiert haben müssen, was den Funk zwischen Pulsmesser, Tacho und Uhr stört. So fährt man plötzlich 73 km/h mit einem Puls von 60. Oder 6,2 km/h mit einem Puls von 218.

Neben Gleisanlagen der Bahn oder Überland-Stromleitungen kommt das ebenfalls gerne vor, aber was suchen solche Störfaktoren im Wasserschutzgebiet?

Gelebte Monarchie: vom Volksfestplatz zum Schloss Johannisburg.

Durch Kleinostheim fahren wir weiter in Richtung Dettingen. Das Wetter sonnig und warm, aber irgendwie scheinen die Löcher, Wurzelverwerfungen und Bodenwellen deutlich störender als auf dem Weg in die andere Richtung. Die Zahl der gepäckfreien Radtouristen-Gruppen nimmt zu, leider ist das Radfahren für viele VertreterInnen dieser Spezies offensichtlich ein regelfreies Vergnügen. Da fährt man zu dritt nebeneinander, reagiert nicht auf Klingelzeichen und geht augenscheinlich davon aus, das Entgegenkommende sich kurz vor der Kollision in Luft auflösen.

Mos Stimmung wird dann noch dadurch verbessert, dass sie mit herunter gefallener Kette die Killiansbrücke bei Dettingen hinauf schiebt und sich von einer der hinab rollenden Tussen erläutern lassen muss, dass sie die Steigung ohne Gepäck besser schaffen würde. Das Eis in Seligenstadt kühlt die Gemüter, noch 35 Kilometer, wir nähern uns der Mittagszeit, und zu den Gruppen, Rentnerpaaren und grimmig dreinblickenden Kampfradlern gesellen sich nun heimreisende SchülerInnen, die ersten Sonnenanbeter sowie Büromenschen, die ihre Mittagszeit zum Futtern, Dösen oder Dekolltée-Bräunen auf den Uferbänken nutzen.

Viel Sonne, wenig Regen – Frankfurt im Mai 2011.

Irgendwie kommen wir durch all das Gewusel zügig durch und um zehn vor zwei zu Hause an. Was wir noch haben (Tomaten, Gurke, Käse), verbinden wir mit dem, was wir finden (Butter, Brötchen, Schinken, Marmelade), zu einem akzeptablen Mittagessen. Anschließend wird ausgeräumt, aufgeräumt und weggeräumt, gegen fünf sind wir frisch geduscht und um kurz nach sechs mit dem Geburtstagskind des Tages zum Ebbelwoi verabredet.

Spätestens jetzt freuen wir uns, wieder in Frankfurt zu sein.


Die Preziose des Tages

Rund zwei Monate und 1.200 Kilometer nach dem Kauf sehen die Räder deutlich besser aus als bei der Übernahme. Insgesamt 25 Veränderungen / Verbesserungen liegen zwischen diesem und jenem Bild. Wer sie findet, darf sie behalten. Der Sonnenschein zählt nicht mit.

Kleiner Tipp: Es kommt darauf an, was man nicht sieht.

Das letzte Zimmer

Das Frühstück in Lohr teilen wir mit den drei Damen, die am Vorabend zeitgleich mit uns angekommen waren und dem lange vor uns aufbrechenden Ehepaar, das wir ca. eine Stunde später überholen. Über Marktheidenfeld, Trennfeld und Urphar (s. Preziose) rollt es so zügig wie zugig nach Wertheim, dessen neue Burg von ferne grüßt:

Wertheim, die neue Burg.

Die Mittagspause fest im Blick steuern wir gegen ein Uhr mit 55 Kilometern in den Beinen eine freie Bank zwischen Stadt- und Dorfprozelten an. In der Flussmitte arbeitet „Milena“, und es gibt ja bekanntlich kaum etwas Schöneres, als anderen bei der Arbeit zuzusehen.

Stilles Tal, kolossal.
Mahl am Kanal, total frugal.

Nach der Pause wieder Sause: Noch vor Bürgstadt kommen wir an einem der vielen Alleinradler vorbei, der uns schon beim ersten Zusammentreffen durch ausgeprägte Orientierungslosigkeit aufgefallen ist. Was außerdem auffällt, sind seine grell-orangen Fahrradtaschen, die weit verbreitet sind und einen hohen Wiedererkennungswert haben – speziell für den Outdoor-Ausrüster, der sie anbietet. Für nur fünf Euro mehr bekommt man die gleichen Taschen in viel schöneren Farben und vor allem mit praktischen Innentaschen.

Apropos Bürgstadt, da sind wir ja noch etwas schuldig, hier ist es:

Alter Esel nach dem Mittagessen.

Ab Kleinheubach fahren wir den Radweg auf der anderen Mainseite als auf dem Hinweg. Ab Kleinheubach fangen wir mit der Suche nach einer Unterkunft an. Ab Kleinheubach finden wir kein Zimmer.

Zunächst nehmen wir's leicht und trösten uns mit lecker Eis in Klingenberg am Main. Das Hotel auf der anderen Mainseite gefällt uns nicht besonders, die Großbaustelle direkt daneben verstärkt den Eindruck. Also weiter nach Wörth, wo der Anker mit Fischstäbchen, Schweine Schnitzel und passendem Ambiente um uns wirbt. Irgendwie ist uns das einfach nicht online genug. Schließlich sind wir auf dem Radweg, der mit „Genussradeln auf der Paradestrecke“ für sich spricht und dies mit schönen, leicht verständlichen Schildern illustriert:

Wenn ich diesen Schoppen hinter mich gebracht habe, fahre ich Schlangenlinien.

Die nächsten Zimmer-Anfragen richten wir an dieses und jenes sowie dieses und jenes Etablissement. Ihnen allen gemeinsam ist die Belegung: ausgebucht. Michelle Moll, die freundliche Rezeptionistin im Seehotel, gibt sich ausgesprochen viel Mühe mit uns und ergattert tatsächlich noch ein Zimmer im Wilden Mann zu Aschaffenburg. Weitere 20 Kilometer Fahrt sind uns dann aber doch zu viel (wir sind ja schon bei knapp 115 Kilometer Tagesleistung), so dass wir uns für das letzte Zimmer im Ort entscheiden.

56 Euro inkl. Frühstück ist OK, das W-LAN ausgezeichnet, und wir hätten sogar im Hause essen können. Da wir das nicht wussten und Frau Moll so nett war, haben wir aber schon im Seehotel reserviert. Also schnell duschen, anziehen und zurück an den See, um das Panorama zu genießen:

Blick toll, Wein lecker, Küche naja.

Der Apéritiv kommt von Licher, der Weißburgunder von Wirsching, das Essen aus der Küche. Es schmeckt gut, aber irgendwie passt es dann doch nicht. Schlaffe Rucola-Dekoration zur Vorspeise, der Rotkohl zum Rinderbäckchen mit einer Cocktailtomate gekrönt und monströse amerikanische Heidelbeeren als Ergänzung zum Dessert – saisonale Küche vom Feinsten!

Der Ausblick macht allerdings vieles wett. Und allein für den See würde Mo jederzeit wiederkommen. Wir gehen aber erstmal, und kurz nach elf sind wir zurück bei Reinhards. Das Bett steht etwas schief, so dass ich die ganze Nacht träume, man hätte mich an den Füßen aufgehängt. Aber vielleicht habe ich das ja auch verdient.


Die Preziose des Tages

In Urphar betreibt der Bäcker Göpfert eine unglaubliche Filiale (Bild folgt in Kürze): Direkt zwischen dem Radweg und der Landstraße 2310 kann der Eilige hier Drive-In-Brötchen, Drive-In-Kuchen und sonstiges Drive-In-Backwerk erstehen. Eat your heart out, Ronald McDonald!

Dienstag, 17. Mai 2011

!kcüruz theg se – esuapmetA enieK

Wer den Wecker nicht stellt, bleibt leicht länger liegen, deshalb Aufbruch erst um zehn Uhr. Der Wind ist vor uns aufgestanden und hat sich schon ordentlich aufgeblasen. Wir fahren gen Westen, er war so freundlich, uns auf etwa 80 Prozent der Strecke entgegen zu kommen.

Über Kitzingen und Marktbreit kommen wir zügig nach Ochsenfurt, wo wir – statt über die Brücke – per Fähre die Mainseite wechseln.

Der Diktator macht Station in Marktbreit.
Moderne Freibeuter: für 50 Cent ans andere Ufer.

Auf der anderen Seite fahren wir den Straßenbauern entgegen, die gerade den neuen Radweg mit Flüsterasphalt überziehen. Da das Fahrzeug recht massiv erscheint und vor allem den Weg auf ganzer Breite ausfüllt, lassen wir uns davon überzeugen, dass es besser ist, die Baustelle zu umfahren und erst hinter Kleinochsenfurt wieder auf den Weg zu stoßen. Um 13.10 Uhr gibt's in Würzburg natürlich nur eins: die am letzten Mittwoch ausgelassene Bratwurst.

Darum geht's mittags in Würzburg.

Auf der Fortsetzung des Weges durch die Würzburger Mainwiesen ärgert sich Mo  a) über eine Dame mit E-Bike, die uns überholen und  b) über mich, der dies nicht zulassen will. Unsere Diskussion bzw. Aussprache endet damit, dass wir beschließen, die Tour doch gemeinsam fortzusetzen.

E-Bikes auf Fahrradwegen sind problematischer als man denkt. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20–25 km/h sind sie etwa genauso schnell wie "normale" Fahrräder. Die meisten E-Biker schalten den Motor aber nur manchmal zu. Und damit entsteht z.B. beim Überholen am Berg das Problem, dass man einen Verkehrsteilnehmer, der eben noch ca. 15 km/h fuhr und nun den Motor laufen lässt, nicht mehr überholen kann. Bei Gegenverkehr kann das ebenso gefährlich werden, wie der erfolglose Überholversuch eines E-Bikers neben einem Radler.

Außerdem stellt sich natürlich die generelle Frage, woher nun auch noch der ganze Strom für die Räder kommen soll, wenn gerade die Elektrifizierung der Autos mit Milliarden gefördert werden soll. Ob unser kleines Ländchen wirklich so viele Windkrafträder, Photovoltaik-Anlagen und Überlandleitungen unterbringen kann?

Kurzer Stop zwischen Bratwurst und Eis.

Bei Dal Cin in Karlstadt holen wir uns mittels doppeltem Espresso und großer Eiswaffel die Kraft für die restlichen 30 Kilometer bis Lohr. Dort geht's gleich zu Mehlings, um einen Tisch für den Abend zu reservieren. Das letzte Mal hatten wir uns erst ums Hotel bemüht und dann prompt keinen Tisch mehr bekommen.

Die Hotelsuche in Lohr gestaltet sich (wie immer) schwierig. Das Bundschuh ist uns zu teuer, die günstigeren sind außerhalb der Stadt, was mit Fahrrad schwierig ist, bleibt also nur die Krone, die auf ihrer website extra darauf hinweist, „der einzige noch weitgehend im ursprünglichen Zustand erhaltene Gasthof Lohrs“ zu sein. Leider haben wir eines der Zimmer, auf die das absolut zutrifft, immerhin können wir den Preis auf ein erträgliches Niveau verhandeln.

Bewährtes erhalten, Preise modernisiert.

Der Abend im Weinhaus Mehling ist dagegen ein Volltreffer: Josephs Brezel, Rieslingsuppe, Schweinerückensteak, Schweinebraten und Apfelstrudel zum guten Schluss. So ist man um halb elf glücklich und müde genug fürs zu weiche Bett.

Josephs Brezel macht der Chef täglich frisch.



Die Preziose des Tages

Das hätte Manfred Gotta nicht besser erfinden können.

Sonntag, 15. Mai 2011

Schöner fahren

Unser Rad soll schöner werden. Dazu braucht's Aceton, einen Lappen und eine ruhige Hand. Haben wir alles, und deshalb sieht jedes Rad nach kurzer Zeit auf breiter Front so pur aus wie hier im Close-up:

Wie geliefert.
Wie gewünscht.

Wie gut das insgesamt aussieht, zeigen wir nach unserer Rückkehr nach F. Morgen fahren wir los.

Schneller als gedacht

Abfahrt in Karlstadt um 9.30 Uhr, der Weg führt über Himmelstadt, Zellingen, Erlabrunn und Veitshöchheim nach WÜ, wo wir so früh ankommen, dass die Bratwurst am Marktplatz mangels Mittagszeit ausfallen muss. Entsprechend irritiert biegen wir bei der Ludwigsbrücke ein paar hundert Meter zu früh ab und brauchen länger als nötig bis zum nächsten Anschlusspunkt. Vom linken Ufer geht es dann über den Sebastian-Kneipp-Steg und auf der anderen Seite auf breiter Asphaltpiste in Richtung Randersacker.

Gruß aus Würzburg: immer Feste strampeln.


Unterwegs überholen wir einen Rennradler, der sich das von zwei Traktoren natürlich nicht bieten lassen will. Vor lauter Aufregung verpassen wir den Weg, so dass er schnell wieder vorne ist. Für uns eine günstige Ausgangslage, so können wir ihn bald ein zweites Mal überholen. Kurz vor Winter- bzw. Sommerhausen entscheiden wir uns gegen weitere Renneinlagen und für ein kurzes Gespräch mit zwei uneinigen Wanderern: Der beleibte Teutone geht von einer Helmpflicht für Radfahrer in Deutschland aus, sein deutlich schmalerer Begleiter aus den Niederlanden bezweifelt dies. Wir auch, Ende des Gesprächs.

Gleich haust links der Sommer und rechts der Winter.
Immerhin, es gibt Aussicht auf Rettung.

Die wohlverdiente Mittagspause folgt in Ochsenfurt, wo wir sonst immer Kaffee und Kuchen nehmen. Heute legen wir beide Pausen zusammen und vergnügen uns bis halb zwei mit LKW, Schinkenbrödla und Käse- bzw. Mohnkuchen.

Vor zwei Jahren abgerissen, jetzt folgt der Aufbau Ost.

Die folgenden 16 Kilometer bis nach Kitzingen verfliegen wie im Gange, dann noch schnell  19 Kilometer durch Großlangheim, Kleinlangheim, Feuerbach und Wiesentheid bis ins Zweitheim. Kurz nach drei sind wir da, und haben die 285 Kilometer trotz des teilweise heftigen Gegenwinds mit einem Durchschnittstempo von knapp 20 Stundenkilometern bewältigt. Das war uns vor zwei Jahren noch nicht einmal mit den Rennrädern gelungen (aber das ist eine andere Geschichte).

Die Preziose des Tages


Abgegriffen.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Von Esel, Kormoran und Rohrspatz

Nach dem Frühstück zurück ins Zimmer und direkt vorbei am frühstückenden Esel, der auf dem weitläufigen Centgraf-Gelände sein Gnadenbrot serviert bekommt. Da wir in der einen Richtung keine Kamera dabei hatten und der Kollege sich später hinter die alte Scheune verkrümelt hatte, liefern wir das Foto nächste Woche nach, wenn wir auf dem Rückweg nach F sind.

Unser Weg führt heute von Bürgstadt ostwärts bis Wertheim, dann über Marktheidenfeld weiter in nördlicher Richtung nach Lohr und Gemünden und von dort wieder südwärts nach Karlstadt. Dieser Abschnitt ist der wohl schönste Teil des ganzen Main-Radwegs: weites Tal, frisches Grün bis die Augen platzen, roter Sandstein, hier und da die Vorboten des fränkischen Weinlandes und hinter jedem Halm und jedem Blatt schallendes Vogelgezwitscher.

Einer, der nicht zwitschert, weil er den Hals ziemlich voll und daran gut zu schlucken hat, taucht manchmal kurz in der Flussmitte auf: ein Kormoran, der im Kampf um den lokalen Fischbestand gegen die örtlichen Angler jede Menge Pluspunkte sammelt.

Hier ist die Welt noch in Ordnung, und die Schiffe heißen wie der Kapitän: Ralf-Dieter.




Kurz vor Wertheim blockiert an einer Steigung die Schaltung, es geht aber glimpflich ab. Außerdem wackelt der Ständer, was sich mit dem mitgeführten Werkzeug nicht beheben lässt. Ein paar Kilometer hinter Wertheim dann unser Freund der Rohrspatz. Wir kennen ihn von mittlerweile vielen Mittagspausen am Mainufer. Er bewohnt – mal mit, mal ohne Lebensabschnittspartnerin – einen Wohnwagen direkt am Eingang zum örtlichen Campingplatz und war bisher immer da, wenn wir dort Halt machten. Seinen Kosenamen verdankt er der Fähigkeit, stets schon kurz nach unserer Ankunft mit besagter Dame (oder einem anderen Teilnehmer) einen lautstarken Streit vom Zaun zu brechen.

Heute bleibt ihm dafür nicht die Zeit, denn wir sind zu früh zum Mittagessen und halten eigentlich nur, weil wir hoffen, ihn kurz zu sehen und fotografieren zu können. Die wenigen Minuten genügen, um sowohl das eine als auch das andere zu tun. Denn kaum sind wir abgestiegen, läuft er einmal kurz durch sein Reich und verschwindet ebenso schnell, wie er gekommen war.

Rohrspatz (Emberiza schoeniclus) in natürlicher Umgebung, links der Zaun, von dem er den Streit bricht.
Was der Rohrspatz sieht, wenn er nicht schimpft.

Kurz vor 13 Uhr erreichen wir nach 55 Tageskilometern Marktheidenfeld – so früh wie nie, so frisch wie nie. Das Mittagessen speist sich aus Nahrungsresten, die wir gestern noch aus dem Kühlschrank gerettet haben: gekochte Eier, Tomaten, Salatgurke, dazu Butterbrot und Fleur de Sel. Die Kombination ist superlecker und wird auf den Speisezettel künftiger Radtouren aufgenommen. Auch die üppige Salz-Zufuhr ist sehr willkommen.

Radfahren ist eine sehr kontemplative Sache. Irgendwann schaltet man nahezu vollständig ab (das kann in Kurven u.ä. fatale Folgen haben), und irgendwann stellt man sich Fragen, die unbeantwortet bleiben (müssen?): Warum machen Menschen Fahrradtouren, denen man auf 20 Meter ansieht, dass sie dazu absolut keine Lust haben? Warum stechen Menschen mit Skistöcken auf den Boden ein? Warum schleifen andere Menschen beim Laufen Skistöcke über den Boden, die ohne diese Stöcke viel flüssiger laufen könnten? Warum nennen Menschen einen Wohnwagen „Azur“, „Südwind“ oder „Château“, wo es doch nur einen vernünftigen Namen für Wohnwagen gibt:

1.000 unbeantwortete Fragen, heute Frage 322: „Warum heißt mein Wohnwagen mein Hobby?“

Nach etwa einer halben Stunde machen wir uns auf den zweiten Tagesabschnitt: 20 Kilometer bis Lohr, dann je 15 nach Gemünden und Karlstadt. Die Strecke wird noch glatter, der Gegenwind lässt langsam nach, wir unterqueren die Autobahnbrücke, von der aus wir immer den Radweg grüßen. Heute grüßen wir hinauf zur A3.


Von der A3 gut zu sehen (dann etwas andere Perspektive).

Nächster Fixpunkt der Strecke ist Gemünden, wo im Eiscafé Cortina zwar der Kaffee stark zu verbessern wäre, dafür aber das Eis nicht. Nach einer knappen halben Stunde starten wir den Express für die letzten Kilometer, insgesamt haben wir bei Ankunft in Karlstadt etwas mehr als 104 Kilometer in weniger als fünf Stunden bewältigt.

Ein Ziel, das man gern erreicht.

Das Bett beim Fehmelbauer erwartet uns erst ab 17 Uhr, deshalb bleibt vorher noch Zeit für einen kurzen Besuch beim führend Fahrradladen in Karlstadt, wo man mir gern mit dem passenden Schraubenschlüssel aushilft, um den wackeligen Fahrradständer fest zu machen. Nach Dusche und kurzer Ruhe kommt es ab halb acht zu hemmungsloser Kalorienzufuhr. Im Anschluss an das tolle Schäufele muss noch ein Kaiserschmarrn geschlachtet werden, um die 4.000 abgestrampelten Kalorien nachzufüllen.

Stille Nacht.

Die Preziose des Tages

Nahe Dorfprozelten führt der Radweg durch ein kleines Industriegebiet, dann wieder abwärts zum Main, wo der Weg eine 90-Grad-Linkskurve macht und wieder parallel zum Fluss läuft. In der Kurve ist der Asphalt mit feinem Sand bestreut, auf der Grasnabe direkt daneben parkt ein Rettungswagen. Mo von hinten: „Warten die hier auf Kundschaft?“

Dienstag, 10. Mai 2011

Ab in die Tretmühle

Eigentlich wollten wir ja erst am Dienstag (also heute) aufbrechen und bis Donnerstagnachmittag knapp 300 Kilometer einfahren. Da aber der Wetterbericht für eben diesen Donnerstag in Unterfranken endlich (!!) ergiebigen Regen vorhersagt, entscheiden wir kurzentschlossen, unser Trainings- bzw. Tretlager schon am Montag zu beginnen.

Das macht allerdings technische Probleme. Einerseits müssen Arbeiten unterwegs erledigt werden, die man eigentlich lieber am Schreibtisch machen würde. Andererseits laufen gerade Spül- und Waschmaschine, deren Arbeitsende noch abgewartet werden muss. Und dann gibt's jede Menge verderbliche Speisen, die noch konsumiert oder wenigstens konserviert werden wollen.

Frankfurt im Rückblick.
Ei, die Dotter.

Bis Mittag haben wird die Taschen gepackt, kurz nach eins geht die Sause los. Der erste Fahrtabschnitt misst 36 Kilometer – von Frankfurt nach Seligenstadt. Dort gibt's zur Belohnung für weitgehend müheloses Dahinrollen erstmal ein paar Kugeln beim Eis-Kaiser, die das gestern in Reinheim verputzte Wennel-Eis erfreulicherweise qualitativ weit hinter sich lassen.

Viele haben einen an der Waffel, ich habe vier: Zitrone, Schokolade, Sahne-Kirsch, Mandelkrokant.

Von Seligenstadt geht es über Kleinostheim nach Aschaffenburg und weiter nach Obernburg, wo wir feststellen, dass wir immer noch gut drauf sind. Also fällt die Entscheidung für die Weiterfahrt nach Bürgstadt, wo wir Bett und Tisch reservieren. Ab Kilometer 85 wird es dann doch etwas anstrengender, ab da sind es ja nur noch zwölf Kilometer ...

Bei Dettingen bringt uns der Heilige St. Kilian sicher über den Main.

Um halb acht kommen wir an, stellen die Pferdchen in den gräflichen Stall, duschen und schaffen es immerhin mit geringer Verspätung zum Essen. Vorneweg gibt's lecker Entenkraftbrühe und Kaninchenleber, hauptgänglich folgen Kalbsleber und Schwabenpfanne (eher Pfännchen), hinterher etwas Schokoladenmousse bzw. gratinierter Ziegenquark mit Rosmarin-Eis.

Die Preziose des Tages

Heute morgen beim Frühstück dann die Dame, die sich mittels Schmuck und Klamotte als Spätgebärende darzustellen versuchte, vom Kleinkind aber durch ein schallendes „Oma“ auf den Boden der Realität befördert wurde. Da grinst der Schinken mit.

(K)Ein Vergleich

Bald soll's ja tatsächlich losgehen, da wird's Zeit für etwas mehr Training. Also haben wir am letzten Samstag (7. Mai 2011) für einen 75-km-Test die Räder gesattelt und die Gelegenheit nebenbei zum Vergleich der Systeme genutzt: der Eine mit dem schweren Reiserad vorneweg, die Andere treibt ihn mit dem agilen Rennrad vor sich her.

Anfangs hat das gut geklappt, dafür sprach zumindest Mos breites Grinsen an Ampelaufenthalten in Neu Isenburg, Dreieich oder Kranichstein. Mit der Zeit machte sich dann aber doch das breitere Spektrum der Tourenschaltung positiv bemerkbar, die zwar bergab Nachteile hat, dafür aber in umgekehrter Richtung umso schonender aufwärts kommt.

Am Ende hatten wir für die bereits mehrfach mit den Rennrädern gefahrene Strecke nur rund 20 Minuten mehr Zeit gebraucht als im bisherigen Mittel. Wenn das kein gutes Zeichen für den Sommer ist ...

The Good, the Bad & who's ugly?