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Sonntag, 22. Juli 2012

24. Mai 2012, der fünfzehnte Tag: Waschtag in Toulouse

Schreiben, waschen, fetten

Früh links erwachen, dann zum Boulanger rechts nebenan. Unsere Gastgeber arbeiten bzw. spielen Tennis, wir versorgen die ausgelaugten Körper mit Kalorien.

Anschließend lassen wir die Waschmaschine rotieren, Mo sortiert auf Evas Rechner die Bilder der letzten beiden Wochen und lädt sie auf einen dieser bösen One-Click-Filehoster hoch, damit sie von anderer Stelle gesichert werden können. Das schafft auch ungemein Platz auf der Speicherkarte. Ich schreibe weiter am Blog, muss aber erkennen, dass 14 Tage Abstand zum Geschehen nur schwer zu kompensieren sind. Es läuft alles andere als flüssig, mehr als zwei Tage schaffe ich nicht, so dass ich beschließe, ab heute jeden Tag schriftlich festzuhalten und mir damit bessere Voraussetzungen für die nächste Schreibmöglichkeit zu schaffen.

Während die Wäsche auf der von Sonne überfluteten Terrasse trocknet, steuern wir eine Tankstelle in der Nähe an, wo wir unsere verdreckten Räder mit Hochdruck reinigen wollen. Wie der Zufall es will, kommen wir unterwegs an einem Fahrradladen vorbei, eine innere Stimme rät mir, dort Rat zu suchen, und wir erfahren, das Hochdruck die denkbar ungeeignetste Form der Reinigung ist.


Der Händler lädt uns ein, die Räder in seinem Hof mit seinem Schlauch und Wasser zu säubern. Dieses Angebot nehmen wir gerne an, erwerben im Gegenzug das passende Fett und einen Rad-Reiseführer bei ihm. So wäscht eine Hand die andere und am Ende sind alle fein raus.

Hebamme wider Willen an der Supermarkt-Kasse.

Samstag, 21. Juli 2012

23. Mai 2012, der vierzehnte Tag: Castelnaudary–Toulouse, 67,46 km

„Ihr habt ja 'n Sockenschuss!“

Während wir bei einem guten französischen Frühstück sitzen, hört der Regen langsam auf. Was ebenfalls verschwunden ist: der Sender meines Pulsgurtes, den ich gestern Abend vor dem Duschen – wie immer – abgenommen und auf dem kleinen Tisch im Zimmer platziert hatte. Da ich ihn auch nach dem Frühstück trotz intensiver Suche nicht finde, denke ich darüber nach, ob der lese- und schreibschwache Kellner eventuell während wir am Essen waren ... ist ja nur ein Gedanke.

Freitag, 20. Juli 2012

22. Mai 2012, der dreizehnte Tag: Homps–Sainte-Eulalie, 61,68 km

„Monsieur, c'est très compliqué.“

Nach dem harten Vortag fängt der neue Tag gleich viel besser an: Frühstück im Hotel, Cornflakes für Mo (alles wird gut) und ein kurzes Gespräch mit den schon wieder völlig neu eingekleideten ohne-Gepäck-Fahrern von gestern Abend.

Das Pärchen kommt aus Belgien und will innerhalb einer Woche von Narbonne nach Toulouse und wieder zurück fahren – insgesamt etwas mehr als 300 Kilometer, also durchschnittlich 40–50 Kilometer am Tag. Das sollte selbst für untrainierte 35-Jährige keine unlösbare Aufgabe sein, besonders wenn man weiß, dass der Schrankkoffer im Materialfahrzeug von Etappenziel zu Etappenziel transportiert wird.


Trotzdem sind beide, wenn auch unausgesprochen, so doch nicht minder offensichtlich unzufrieden. Wir schieben das auf folgenden Hintergrund: ER wollte unbedingt eine Radtour mit ihr machen. So wie „Il était une fois“, voller Romantik, auf zauberhaftem Weg und diesen vielleicht sogar in eine gemeinsame Zukunft. SIE fand diese Idee weniger überzeugend, ließ sich aber durch massive Zugeständnisse und von ebenfalls auf gemeinsame Zukunft ausgerichteter Perspektive breitschlagen (Gepäcktransport, kurze Etappen, evtl. fest fixierte Tempolimits usw.).


Und dann entscheiden sie sich ausgerechnet für den Canal du Midi, ausgerechnet in dieser Woche, die geeignet scheint, jede Beziehung in Matsch und Regen untergehen oder vom Winde verwehen zu lassen! Na dann, gute Fahrt!


Bonjour et bienvenue au Canal du Midi.

Freitag, 13. Juli 2012

21. Mai 2012, der zwölfte Tag: Nissan-lez-Enserune–Homps, 59,42 km

Au Canal du Muddy

Im Lauf der Nacht hat es heftig geregnet, wir frühstücken im Zimmer und schauen auf das bisschen grauen Himmel, das wir von unserem Fenster aus sehen können. Der Regen hört dann doch noch auf, wir ziehen uns wind- und wetterfest an und machen uns schon vor neun auf den Weg nach Narbonne.

Das lässt sich mit dem geplanten Kirchenbesuch schlecht an, denn sie öffnet ihre Türen erst um zehn. Mit dem Weg nach Salles-d'Aude ist es auch nicht besser, er hat zwar geöffnet, der Gegenwind ist aber derart heftig, dass wir entnervt umdrehen und uns gleich in Richtung Canal du Midi orientieren. Das heißt zunächst: bergauf in Richtung Oppidum d'Ensérune.

Von der alten Festung übers neue Land.
Romantischer Eingang, ...
... leider kein Ausgang.

Oben angekommen, verlieren wir erneut Zeit, weil wir versuchen, dem Kanal durch einen Tunnel zu folgen. Der schmale Pfad an der Seite ist schwer zu meistern und hört am anderen Ende ohne Vorwarnung auf, so dass wir ein Stück schwimmen oder zurück müssen. Wir schieben also zurück, irren wieder ein wenig durch die Umgebung und finden endlich den Zugang zum Kanal: Ein vom Regen der letzten Tage aufgeweichter Wiesenpfad verläuft parallel zum Wasser – so haben wir uns das absolut nicht vorgestellt.

Wenn das ein Radweg ist, möchte man kein Radfahrer sein.

Wir verlassen den Matsch, so schnell wir können, und fahren zurück auf die Straße. Das ist allerdings auch keine Lösung, denn sie liegt ein gutes Stück höher und außerhalb der dichten Baumreihen, ist damit ungeschützt und ein Paradies für den Wind, der uns um die Ohren pfeift. Hinter Capestang wechseln wir auf gut Glück immer wieder hin und her, nach ein paar Kilometern biegen wir entnervt auf die D13 in Richtung Ouveillan und weiter nach Sallèles-d'Aude ab.

Bei Maria und Stefan in Capestang.
Monumentale Ruhe vor Ouveillan.

Entlang der D124 fahren wir weiter westwärts, selten oberhalb des Kanals und gegen den stärker werdenden Wind auf der Straße, meist im Windschatten der Bäume durch den immer tiefer werdenden Matsch am Ufer. Dort unten kommt uns irgendwann ein Tandem entgegen, anfangs parlieren wir auf Französisch, dann setzt sich bei dem anderen Pärchen der englische Akzent durch, und wir machen der Qual durch einen Wechsel ins Englische ein Ende.

Die Kollegen berichten vom noch(!) schlechter (!!) werdenden Weg und von schweren Stürzen in anderen Gruppen, denen sie begegnet sind. Sie selbst sind erst ein Mal zu Boden gegangen und wundern sich, wie sie das geschafft haben. Wir erfahren, dass das Fahren mit dem Wind leichter und angenehmer ist und dass er zum Schutz vor dem Regen eine Duschhaube unter dem Helm trägt, während sie unsere gelben Überzüge favorisiert. Zum Abschied schenkt er uns noch einen Teil seiner Straßenkarte und gibt uns mit verschwörerischer Miene eine Weisheit mit den Weg: „You'll get muddy.“

Minervois aude Aude?

Seine Frau empfiehlt uns ein Restaurant am Hafen von Homps, unter blauer Markise seien sie dort freundlichst empfangen und leckerst bekocht worden – „and there's also an Auberge nearby“.

Die ernstzunehmenden Warnungen und der tatsächlich schlechter werdende Weg führen uns erneut auf die Straße, wo der Wind für uns die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft setzt: Nach einem Einkauf in Roubia fahren wir die D124 ein paar Hundert Meter, dann geht es steil bergab, aber die Räder rollen gegen den Wind nicht hinunter. Erst kräftiges Treten bringt uns vorwärts, die Situation bringt uns eher zur Verzweiflung.

Links sehe ich den Kanal, wir fahren auf einem Ackerweg hin, um an dessen Ende festzustellen, dass es dort nicht weitergeht. In einiger Entfernung ist wenigstens eine Schleuse zu sehen. Wir stapfen schiebend durch den lehmigen Boden eines frisch umgepflügten Ackers. Der Schleusenwärter hat Mitleid und lässt uns (was generell strengstens verboten ist) die Räder über das Schleusentor schieben, auf der anderen Seite angekommen, versuchen wir, unsere Schuhe zumindest notdürftig zu säubern.

Dem ist doch nichts hinzuzufügen.

Wenigstens hat mittlerweile der Regen aufgehört, und gegen fünf kommen wir ziemlich geschafft in Homps an. Eine Einheimische, die ich anspreche, kennt keine „Auberge nearby“, sondern nur Chambres d'Hôtes. Die beiden von ihr genannten Adressen fahren wir an, beide gefallen uns nicht so. In der Ortsmitte sehen wir dann auf einer großen Informationstafel doch die Werbung eines Hotels, das sogar ein bezahlbares Zimmer für uns frei hat. Ein Pärchen ohne Gepäck steht neben uns und kommt kurz nach uns ebenfalls am Hotel an.

Der Patron, Monsieur Scheiwiller, schickt uns mit verschmierten Schuhe die Treppe hoch, wir säubern sie dort, wo wir auch uns säubern: in der Wanne. Hoffentlich sind sie morgen wieder trocken. An die blaue Markise denken wir nicht mehr, erfreulicherweise ist das 22-Euro-Menü im Hause jeden Centime wert. Das Pärchen ohne Gepäck kommt höchst aufgedüst zum Essen, da muss es irgendwo einen Gepäcktransporteur geben

Zum guten Schluss die weniger warmen Worte der Gattin: „Es ist saukalt, der Wind wird immer stärker, mir kommt's vor wie November. Canal du Midi? Vergiss es!“

Wo der Kanal den Fluss überquert, macht der Matsch eine kurze Pause.

20. Mai 2012, der elfte Tag: Palavas-les-Flots–Nissan-lez-Enserune

Vier Zylinder westwärts

Um sieben Uhr schauen wir auf die Straße, draußen geht die Welt unter, und die Prognose sagt, dass sich daran erstmal nichts ändern wird. Wir fragen an der Rezeption, ob wir eine Nacht verlängern können, und stellen den Wecker auf halb neun.

Während des späten Frühstücks überlegen wir, ob es wirklich sinnvoll ist, einen ganzen Tag in einem Hotelzimmer in Palavas-les-Flots zu verbringen. Der Ort ist hässlich, es gibt absolut nichts zu tun oder zu sehen, und wenn wir Pech haben, sieht es morgen früh auch nicht besser aus. Und das bei relativ hohen Kosten, wenn wir Zimmerpreis und Abendessen von gestern addieren.

Irgend jemand fragt: „Wo wollten wir heute eigentlich hin, und was kostet ein Taxi dorthin?“

Im Logis-Verzeichnis finden wir ein Hotel westlich von Béziers, das erstens erreichbar und zweitens einladend wirkt. Man hat Platz für uns, wir reservieren. Unten an der Rezeption streicht der Patron persönlich unsere Verlängerung vom Morgen und kümmert sich um ein Taxi. Dessen Angebot ist günstiger als das Bleiben es wäre, also nehmen wir an (schon klar, damit verdoppeln sich heute die Kosten, dafür sind wir aber auch eine Etappe weiter).


Wo wir wohnen, ...

Das Taxi kommt etwas früher, Mo ist noch einkaufen, ich helfe dem Fahrer beim Verstauen der Räder und interviewe eine Gruppe amerikanischer StudentInnen, die sehr sommerlich bekleidet das Hotel überschwemmen. Sie sind vor zwei Tagen in Paris gelandet, haben gerade Avignon besichtigt („Oh, it's so nice!“), bleiben zwei Tage am Meer und fahren dann für drei Tage nach Toulouse. Von dort geht's zurück nach Paris und wieder in die USA. Na, dafür lohnt sich doch jeder Interkontinentalflug.

Unser Chauffeur schimpft unterwegs auf alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Die schlechte Infrastruktur der Region (weil alles Geld in die Touristenorte am Meer gepumpt wird), die wachsende Bürokratie im Land, die hohen Steuern, den Niedergang seines ehemaligen Berufes (er war Schlachter, aber „le métier est mort“) usw. usf.

Nach einer Stunde erreichen wir Nissan-lez-Enserune, irgendwo unterwegs hat der Regen aufgehört, wir schöpfen Hoffnung. Im Hotel gibt man uns ein nettes Swarovski-Zimmer im Annexe, wir essen das Mitgebrachte, schlafen bis sechs und spazieren anschließend durch den Ort.


... wo die Liebe wohnt, ...
... wo der Bürgermeister wohnt.

Das Abendessen beginnt mit einem Apéritif im Altbau, der kleine Salon ist zauberhaft möbliert, am Nachbartisch sitzt ein Mann, der mich an unseren Elektriker erinnert, und von der Wand schallt die französische Talkrunde.

Zum Essen müssen wir ins Nachbarhaus, der Juniorchef bedient gemeinsam mit einer Mittzwanzigerin, sie wirkt anfangs etwas unbeholfen, erweist sich aber sehr schnell als hoch professionell. Hervorragendes Essen gibt's auch: Tartare de Saumon frais à l’ananas et poivre de séchuan und Souris d'agneau cuite 48h au romarin, poêlée de légumes glacés de saison für Madame, Marbré de Foie gras et Confit de Canard, toast aux céréales und Côte de Cochon cuite à basse température, cocotte d'écrasée au lard fumé et son jus réduit für Monsieur. Letzteres übrigens ein echter Hammer – super-saftig und nahezu fettfrei.

Dazu müssen wir leckeren Wein trinken, und am Ende zwingen sie uns auch noch, Soufflé coulant au chocolat, Glace confiture de lait bzw. Baba au rhum cubique chantilly maison zu essen. Es ist zum Verrücktwerden!


Abends leider geschlossen, wir schauen morgen mal rein.

Donnerstag, 12. Juli 2012

19. Mai 2012, der zehnte Tag: Beaucaire–Palavas-les-Flots, 93,69 km

Stürmische Zeiten

Auf das „Kissdellafruhstuck“ verzichten wir. Stattdessen kommt das übliche Sammelsurium von Nescafé, Pain au lait, Comté, Joghurt und Banane zum Einsatz.

Um neun Uhr fahren wir den Hotelberg hinunter, auf dem Bürgersteig der anderen Straßenseite plagt sich ein Jogger, der unbedingt mit mir mithalten will, und das schon am frühen Morgen! Meine Gattin sollte sich ein Beispiel an ihm nehmen. Irgendwann geht es so steil bergab, dass er nicht mehr mitkommt, ich winke fröhlich, beim nächsten Rond point fahren wir rechts ab auf die Route de Saint-Gilles, der wir bis in den gleichnamigen Ort folgen.

Gleich in der ersten Bar nehmen wir zwei Cafés und fragen nach einer Einkaufsmöglichkeit. Madame schickt uns zum Carrefour am Ortsausgang, was uns einiges an Zeit kostet, dafür aber mit einer wilden Mischung aus Kundschaft belohnt. Ich halte beide Räder fest und das Gepäck im Auge, während Mo sich ins Getümmel stürzt (und dort lange bleibt). Mir fällt auf, dass der Supermarkt schon am Eingang deutlich darauf hinweist, dass Laden und Umgebung video-überwacht werden. Wenn ich mich umschaue, kann ich das verstehen.


Zurück im Ort fragen wir zwei Plakatkleber im besten Mannesalter (also etwas älter als ich) nach dem Weg, sie schicken uns geradeaus über die Brücke und die Eisenbahnlinie. Direkt danach geht es rechts auf die D179 und damit in eine andere Welt.


Vier Liegeplätze des Glücks.

Unsere Straße führt im Zickzack durchs Gelände, der Wind weht zum Teil heftig, und wir düsen vom Verkehr weitgehend verschont an Reisfeldern vorbei, sehen zahllose Vögel, die wir nicht benennen können, die sich aber offensichtlich trotzdem sehr gut in der Gegend ernähren können. Irgendwo mittendrin hat ein Belgier sein Auto verlassen und geht auf die Pirsch. Mit seiner Kamera und einem Teleobjektiv, das diesen Namen wirklich verdient.

Beim Centre du Scamandre biegen wir links ab und sehen zur Belohnung die ersten Camargue-Pferde. Nicht viel weiter treffen wir westlich wir auf die D58, die sichtlich darauf ausgelegt ist, möglichst viele Besucher möglichst reibungslos nach Aigues-Mortes zu bringen. Und ebenso reibungslos wieder weg. Wir machen an einem Weg rechts der Straße Mittagspause. Kurz vor der Weiterfahrt klingelt das Telefon, und wir erfahren, dass unser lebloser Rechner morgen nach Deutschland überführt wird. Mal sehen, ob wir ihn je werden reanimieren können.

Tote Wasser sind voll.

Aigues-Mortes ist uns zu voll, wir schauen nur kurz rein, dann, dass wir weiter kommen. Kaum sind wir um die nächste Ecke der Stadtmauer gekommen, ruft die Dame hinter mir: „Vorsicht, Wind!“, da hat es mich beinahe schon vom Rad gehoben. Wir fahren rechts ran, schauen uns die schnurgerade D979 zwischen den großen Salzseen an und beschließen, die kommenden sechs Kilometer im kleinsten Gang und gaaanz vorsichtig in Angriff zu nehmen.

Ein, zwei Kilometer geht das recht akzeptabel, dann schaltet der Wind zunächst auf Sturm, dann auf Katastrophenmodus und bläst aus östlicher Richtung auf Gepäck und Körper. Beides erweist sich als perfekter Windfang, so wird das Geradeausfahren auf den folgenden Kilometern zum echten Kraftakt, und es bleibt kaum Gelegenheit, ein Auge auf die links und rechts im Wasser stehenden Flamingos zu werfen.

Nach schier endloser Fahrt erreichen wir Le Grau-du-Roi, atmen tief durch, fahren nach rechts über die Brücke und lassen uns von der einen Katastrophe in die nächste schieben.

Ach, du kriegst die Grand Motten ...

In La Grand Motte denken wir darüber nach, mit einem Bus etwas weiter ins l'Herault zu fahren, am besten gleich bis nach Lodève. Der Busfahrer hält das für keine Erfolg versprechende Idee, denn Fahrräder nehmen die hiesigen Busse nicht mit. Und selbst wenn wir einen kooperativen Kollegen fänden, wäre das Ganze immer noch kaum realisierbar, denn der Weg führt über Montpellier und wir müssten mindestens drei Mal umsteigen.

Also verwerfen wir den Gedanken, fahren weiter staunend ins Zentrum dieses malerischen Touristenstädtchens und gönnen uns in einem strandnahen Salon de thé einige Törtchen und zwei Cafés. Auf der D59 fahren wir über Le Grand Travers motteauswärts; der Weg führt direkt am Strand entlang bis nach Carnon und nach einem kleinen, für Fahrräder verbotenen Schlenker über einen Hauptverkehrskreisverkehr weiter nach Palavas-les-Flots.

Die gesamte Strecke führt durch überwiegend auf dem Reißbrett entworfene Siedlungen, die eher an Massentierhaltung als an Urlaubsidylle denken lassen. Der fast schon bösartige Wind und die mit ihm ziehende, geschlossene Wolkendecke verstärken den trostlosen Eindruck. Irgendwer hat ausgerechnet für heute einen Halb-Triathlon terminiert. Die Aktiven, die uns auf ihren Hightech-Rädern entgegen kommen, können einem wirklich leid tun.

Willkommen in den schönsten Wochen des Jahres.

Im örtlichen Office de Tourisme erbeuten wir einen lokalen Hotelführer, die ersten beiden Ziele scheiden nach persönlicher Ansicht aus, beim dritten Versuch werden wir heimisch. Das Mädel an der Rezeption gibt sich viel Mühe mit uns, die Chefin erlässt uns die Parkgebühr von je einem Euro, weil sie den umweltfreundlichen Aspekt des Radtourismus' fördern will.

Fürs Abendessen gibt man uns zwei Empfehlungen mit auf den Weg, die erste Adresse ist nicht unteuer, da gehen wir lieber zur zweiten. Im Le Saint-Georges stehen zwei besetzte etwa 25 leeren Tischen gegenüber, ein Jüngling in schwarz fragt nach unserer Reservierung und bietet uns, da wir keine haben, den kleinen Tisch direkt im Eingang an. Den mögen wir nicht so, aber alle anderen sind nach seiner Aussage reserviert, und man trennt sich in gegenseitiger Verachtung.

Also doch in die teurere Alternative. Die Umgebung riecht zwar bedenklich nach Touristenfalle, aber dann geht's hinten raus und eine ansehnliche Treppe hoch. Vor uns eine sehr heterogene Gruppe von etwa 15 Personen, die der Oberkellner im Vorraum begrüßt und deren Jacken er in einem aufnahmefähigen Garderobenschrank verstaut. Unsere Regenjacken finden dort ebenfalls Platz, denn wir werden ohne Reservierung und sehr freundlich aufgenommen.

Hässlicher Ort mit schöner Aussicht.

Der Oberkellner lässt uns durch einen seiner Unterkellner im Restaurant platzieren. Ich höre „Table 35“, rechne sofort mit dem Schlimmsten (Katzentisch am Klo) und werde bitter enttäuscht: Wir sitzen neben der 15er-Gruppe, haben freien Blick aufs Mittelmeer und kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Die Karte ist sehenswert, die Menüs sind viel versprechend. Mo beginnt mit einer tollen Fischsuppe, isst danach ein Doradenfilet und zum guten Schluss ein feines Parfait. Ich fange mit einer asiatischen Jakobsmuschel-Variante an, freue mich anschließend über gebratenen Rascasse und Brioche perdu. Der vom Keller empfohlene Wein passt wie für uns vergoren, der Service ist nicht von dieser Welt – nur gut, dass uns der Jüngling vorhin keinen besseren Tisch angeboten hat.

Draußen spuckt das Meer wellenweise Wasser aufs Land, der Sturm biegt die Palmen in flachem Winkel und reißt ihnen die wenigen Büschel aus, die sie haben. Wir schauen dem Treiben lange von unserem Fensterplatz aus zu, dann treten wir glücklich den Rückweg an.

Leuchte er uns heim!

18. Mai 2012, der neunte Tag: Avignon–Beaucaire, 38,02 km

Südfrankreich kommt immer so plötzlich

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ ist eine zwar weit verbreitete, aber definitiv falsche Annahme. Bei uns war die Hoffnung auf gutes Wetter schon in der Nacht verstorben und aus dieser misslichen Lage kann sie sich auch während des Frühstücks, das von dunklen Wolken und dem regelmäßigen Tropfen des Regens begleitet wird, nicht befreien. Auch das Frühstück selbst hat keine Fortschritte gemacht, es gibt die gleichen, in Alu verpackten Kalorienbringer wie tags zuvor.

Gegen neun legen wir in Avignon an der „kleinen Rhône  an, wir haben natürlich längst gepackt und gehen erstmal auf eigene Faust in die Stadt. Der Regen hält uns zunächst davon ab, unnötig viel Zeit auf den Straßen zu verbringen (wir haben überraschenderweise keinen Schirm dabei).


... und plötzlich sind wir in Südfrankreich!

Unser erstes Ziel ist sowieso die lokale Einkaufsmeile, Mo will gucken, und mir rutscht mangels verbliebener Hüften jede Hose, so dass ich einen Gürtel brauche. Die Rue de la République bietet für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas Passendes, mir passt der 14,90-Gürtel bei H&M. Schräg gegenüber kriegen wir bei einem bekannten amerikanischen Bulettenbrater gegen Bestellung und Bezahlung von zwei Café einen kostenfreien Internetzugang, der es uns erlaubt, uns nach zwei Tagen wieder mal ums Geschäftliche zu kümmern. Auf unserem Schiff gab's solche technischen Extravaganzen leider nicht.

Interessante Einblicke im Vorübergehen.

Der weitere und Rückweg durch die Stadt ist beeindruckend: großartige Gebäude, prächtige Plätze und päpstliche Paläste. Wir können nur staunend vorüberhuschen, denn unsere Zeit ist knapp – der Regen hat aufgehört. Nach einem kurzen Abstecher ins Souterrain von Casino erreichen wir kurz nach elf unser Schiff, holen die Räder vom Oberdeck und satteln auf.

Nach kurzem Abschied vom verfügbaren Teil der Besatzung schieben wir von Bord, genau rechtzeitig, um all den Passagieren entgegen zu fahren, die gerade vom Landausflug zurück kommen und die Fahrt fortsetzen müssen. Es ist gleich zwölf, bald gibt's Mittagessen.

On y danse, on  y danse ...

Wir gondeln noch kurz am Ufer hin und her, dann folgen wir einem Uferpfad und einer stillgelegten Landstraße in Richtung Süden. Irgendwie läuft alles nicht wie erwartet bzw. gewünscht, und am Ende stehen wir vor einem riesigen, komplett eingezäunten TGV-Bahnhof am südwestlichen Rand von Avignon. Wir fahren in praktisch alle Richtungen und stehen am Ende immer wieder vor dem gleichen Problem: Der Weg geht direkt in eine Autobahn oder für Fahrräder gesperrte Route Nationale über.

Dieses Elend kostet uns mindestens eine weitere Stunde, dann entscheiden wir uns für die Auffahrt auf die N1007, die erstens kaum befahren ist und uns zweitens sowohl über den Rhône-Seitenkanal als auch die ansonsten unpassierbare TGV-Strecke bringt.

An die Überwindung großer Distanz ist längst nicht mehr zu denken, wir denken vielmehr ans Mittagessen, das wir uns auf einer Mischung aus Baustelle, Gewerbegebiet und Lkw-Parkplatz am Rande der Route d'Avignon gönnen.

Ringsum wird es immer südfranzösischer.

Besagte Straße führt uns weiter durch Graveson, knickt dort nach Südwesten ab und heißt plötzlich auch noch D970. Nächster Halt ist Tarascon, die Stadt des legendären Drachen, der an den Ufern der Rhône die Reisenden verschlungen haben soll. Wir können diesem Schicksal erfreulicherweise entgehen (hochschalten und schneller treten hilft oft), schauen noch kurz im örtlichen Château vorbei und machen uns danach über die Brücke nach Beaucaire.

Château de Tarascon, einerseits einladend, ...
... andererseits abweisend.

Die Stadt empfängt den Brückenüberquerer mit einem großen Yachthafen, den passenden Bars und Cafés sowie einer von Bäumen überdachten Hauptstraße, die parallel zum Canal du Rhône à Séte durchs Zentrum führt.

Wir würden gern bleiben, stellen aber fest, dass wir für das telefonisch gebuchte Hotel hoch hinaus müssen; es liegt ca. fünf Kilometer außer- und weit oberhalb der Stadt. Im Vorbeifahren machen wir noch Station an einer Tankstelle, um ein bisschen Kettenfett zu schnorren. Die Chefin gibt ihr Fläschchen nicht aus der Hand, sondern sprüht das kostbare Gut eigenhändig auf die Antriebe. Als sie danach auf die Idee kommt, dass eventuell auch ich mal nachgefettet werden müsste, machen wir uns dankend auf den weiteren Weg.

Das Hotel und die gesamte Anlage haben wahrlich schon bessere Zeiten gesehen, das erkennt man beim Vergleich des Prospekts mit der Realität. Mo meint, es sei ein „heruntergekommener Laden“, wenigstens gibt es einen Pool.

Fürs Abendessen haben wir keine Alternative, wir sind ja jwd. Also gibt's den Apéritif in der großen, wenig einladenden Halle und anschließend ein kleines Menü im naheliegenden Restaurant. Der Service ist ein bisschen hektisch (die Herrschaften möchten fertig werden), der Wein ist lecker und auch das Essen ist in Ordnung. Mit dem Bestellen tun wir uns etwas schwerer als sonst, weil die Menschen hier so südfranzösisch sprechen. Unsere Kellnerin z.B. schlägt sich auf meine Nachfrage, was denn „Kissdellapeng“ sein könnte, mit der linken Hand mehrmals heftig auf den rechten Unterarm und wiederholt das Wort zunehmend energischer.

Endlich begreife ich, dass es sich nicht um einen Hilferuf handelt. Sondern um Kaninchenkeule.

Mittwoch, 11. Juli 2012

17. Mai 2012, der achte Tag: Ruhetag auf Saône und Rhône

Einfach mal treiben lassen

Was sich am Abend zuvor bereits angedeutet hatte, wird beim Frühstück zur traurigen Gewissheit: Das Essen an Bord ist stark verbesserungsfähig. Es gibt zwar viel, aber was es gibt, könnte auch viel besser sein.

Immerhin ist das Schiff über Nacht gut voran gekommen, Lyon haben wir bereits passiert, nach dem Frühstück sind wir schon an Vienne vorbei. Den restlichen Vormittag verbringen wir lesend und herumguckend in der Sonne an Deck; windig aber angenehm. Wäsche haben wir auch gewaschen, sie trocknet jetzt in der Kabine vor sich hin.


Auch für die Fahrzeuge gilt heute: länger liegenbleiben.

Gegen eins sitzen wir wieder mit den Berlinern am Tisch, und die Mitesser tauen langsam auf. Nach Quiche lorraine und etwas eigenwilliger Cordon-bleu-Variante sagt Madame: „Die französische Küche ist doch nicht sooo schlecht“, und wir stimmen vorsichtig zu. Den Camembert (Käse) lassen sie vorsichtshalber aus, dafür nehmen sie die Nougattorte. Wir essen alles und gehen danach schlafen.


Egal, wohin man schaut: ...
Auf dem Weg in Richtung Süden ...
... sinkt das Niveau.

Nach der Mittagspause sitzen wir wieder auf dem Sonnendeck, bräunen die normalerweise in Radschuhen steckenden Füße sowie Teile der sonst vom Trikot verhüllten Oberkörper nach und lauschen den häufigen Durchsagen der Besatzung, die dieses am linken und jenes am rechten Ufer benennen und durch zusätzliche Angaben erläutern.


Sinn und Zweck dieser Mitteilungen sind eher undurchsichtig. Denn es wird kein Wissen, keine Erfahrung vermittelt, sondern allein das vermeintlich gute Gefühl hergestellt, dass man alle wichtigen bzw. interessanten Stationen gesehen oder doch wenigstens etwas über sie gehört hat. So kann man den direkten Kontakt mit Land und Leuten vermeiden, war aber nichtsdestotrotz vor Ort, hat alles Wissenswerte gehört und kann vor allem sicher sein, dass man für sein Geld auch den nötigen Gegenwert erhält. Spätestens bei der vierten Durchsage hat man den Inhalt der ersten vergessen, aber wie sagt der Franzose: „C'est la vie!“


Das Schiff legt nachmittags in Tournon-sur-Rhône an, auf der anderen Seite des Flusses liegt Tain-l'Hermitage. Wir bummeln durch beide Orte, bewundern die sie verbindende Fussgängerbrücke, trinken einen Café, den der Kollege hinterm Tresen doppelt berechnet, was er nach zweimaliger Intervention aber als Missverständnis deklariert und korrigiert.


Tournon-sur-Rhône bietet viel Platz für Touristen.

Zurück auf dem Schiff lesen wir noch ein bisschen auf dem Sonnendeck, dann geht's zum Apéritif in den Salon und ab halb acht sitzen wir mit unseren inzwischen fröhlichen Berlinern beim Abendessen. In sieben Monaten und sieben Tagen ist Heiligabend, der Schiffskoch feiert
schon heute mit uns – Rehfilet als Hauptgang, Zimtpflaumen zum Dessert. Die Dame aus Berlin hat mir inzwischen drei Mal beim Essen zugeschaut und tut eingangs des Mahls das einzig Richtige: Sie bietet mir einen Teil ihrer Fleischportion an. Um das zarte Pflänzchen unserer aufkeimenden Freundschaft nicht zu gefährden, nehme ich an.

Nach dem Essen leeren wir im Salon noch unser Fläschen und erklären unserem Reiseleiter, was wir hinter und in den kommenden Tagen und Wochen vor uns haben. Er selbst hat offensichtlich zum ersten Mal deutsche Menschen vor sich, die sich ernsthaft für sein Land interessieren (Wir erinnern uns: „Isch bin Europeär aus där Provence Fronkreisch.“). Man sieht ihm an, dass ihm dieser Ansatz zwar neu ist, er ihn deswegen aber nicht minder schätzt.


Da wir noch nicht einschätzen können, wann das Wetter morgen die Weiterfahrt zulässt, vereinbaren wir auf dem Weg in die Kabine mit der Zahlmeistern, dass wir morgen ohne weitere Kosten am Mittagessen teilhaben können. Mit der Hoffnung auf schönes Wetter ab neun Uhr gehen wir schlafen.


So eine Flusskreuzfahrt ist eine interessante Erfahrung, auch rückblickend.

Mittwoch, 4. Juli 2012

16. Mai 2012, der siebte Tag: Saint-Jean-de-Losne–Chalon-sur-Saône, 61,5 km

Ein Schiff wird kommen

Das Frühstück ersparen wir uns, wir haben vorgesorgt. Abfahrt trotzdem erst um neun, auf der D34 können wir die Schleifen der Saône bis Seurre aber um zehn Kilometer abkürzen. Danach geht's auf der D128 und D111 weiter nach Verdun-sur-le-Doubs, zwischendurch müssen wir leider einen Job abwickeln, was eine längere und windige Pause hinter einem Schuppen am Weiderand erfordert und die eine oder andere Kuh durchaus irritiert.

Entsprechend durchgefroren rollen wir in Verdun ein und klopfen schon vor zwölf am Wintergarten eines angenehm wirkenden Hotels im Zentrum an. Unser positiver Eindruck bestätigt sich beim Eintreten: Der Wintergarten ist beheizt.

Schöner als es scheint: Verdun-sur-le-Doubs.

Wir ordern Plat du jour und dürfen uns für 12,50 € pro Nase mit einer Quiche, einer sehr guten gekochten Rinderbrust und einer feinen Tarte de pomme vergnügen. Neben den Bissen arbeiten wir noch ein bisschen und wärmen vor allem auf.

Hier findet der Doubs (rechts) sein Ende in der Saône (links).

Gut gestärkt geht's auf der Straße weiter gen Chalon-sur-Saône, unterwegs folgen wir einem Traktor, der uns mit bis zu 30 km/h über den Asphalt zieht. Irgendwann scheint der Fahrer aber den Spaß an seinem guten Werk zu verlieren, er beschleunigt leicht und hat dabei den Vorteil, dass er aus seiner Maschine mehr heraus holen kann als wir aus uns. Schon ist er weg.

Da der siebte Tag von alters her einen guten Ruf als Ruhetag hat, denken auch wir in diese Richtung. Und da fällt uns ein, dass wir vor einigen Jahren in Tournus ein großes Flusskreuzfahrtschiff voller AmerikanerInnen gesehen haben, die ganz begeistert über ihre Fahrt von Chalon-sur-Saône nach Lyon und Avignon berichteten.

Was der gemeine Ami kann, können wir schon lange. In der Stadt fragen wir uns deshalb zum Fluss durch und fahren direkt an die Anlegestelle der Flusskreuzfahrer. Dort fragen wir gleich beim ersten Schiff nach einer freien Kabine bis Avignon. Patrick, der Reiseleiter, ist Franzose („Isch bin Europeär aus där Provence Fronkreisch.“) und trotzdem ein aufgeschlossener Typ. Er ruft die Reederei in Bonn an, wir werden uns einig und packen die Räder an Bord – Abfahrt ist um sieben, da bleibt uns noch viel Zeit.

Schön liegen bleiben, wir kommen gleich wieder.

Die freie Zeit nutzen wir, um in Radklamotten durch die Stadt zu flanieren. Am Place de l'Hôtel de Ville unterbrechen wir dieses Unterfangen, um vor der gleichnamigen Bar in der Sonne zu sitzen und mehrere Cafés zu konsumieren.

Danach stöbern wir durch die Stadt, ich kaufe einen neuen Schnürsenkel, der Rest ist Schaufensterbummel – als Radfahrer hat man erfreulicherweise keinen Platz für ausgiebige Einkäufe. Interessant dabei: Die Fußgängerzonen in französischen Städten haben natürlich auch einige der unvermeidlichen Kettenläden im Angebot (1-2-3, ZaraComptoir des Cotonniers, IKKS), bieten außerdem aber eine unglaubliche Vielfalt lokaler Geschäfte, die das Bummeln deutlich abwechslungsreicher und interessanter machen als den Weg durch das ewiggleiche Angebot in deutschen Einkaufsstraßen.

Rette sich, wer kann.

Usechs Uhr kommen wir zurück zum Schiff, nun lässt man uns an Bord. Wir duschen, gewöhnen uns auf unseren paar Quadratmetern ein und pilgern um sieben zur offiziellen Begrüßung in die Bar; es gibt ein sehr buntes, sehr süßes Getränk, das sie Cocktail nennen. Mo und eine andere ältere Frau drücken den Altersschnitt der Gäste mit vereinten Kräften auf knapp unter 70, nach der Vorstellung der MitarbeiterInnen und des Programms der nächsten Tage – die anderen müssen ja bleiben – schleppen sich alle zum Abendessen.

Es gibt totes Huhn, wir sitzen mit zwei ziemlich spröden Berlinern an einem Tisch. Gegen neun fahren wir an Tournus vorbei, danach gehen wir früh schlafen.

Heidewitzka, Her Kapitän!
Ganz klar: Wenn hier etwas untergeht, dann nur die Sonne.
Tournus aus völlig neuer Perspektive.