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Mittwoch, 4. Juli 2012

16. Mai 2012, der siebte Tag: Saint-Jean-de-Losne–Chalon-sur-Saône, 61,5 km

Ein Schiff wird kommen

Das Frühstück ersparen wir uns, wir haben vorgesorgt. Abfahrt trotzdem erst um neun, auf der D34 können wir die Schleifen der Saône bis Seurre aber um zehn Kilometer abkürzen. Danach geht's auf der D128 und D111 weiter nach Verdun-sur-le-Doubs, zwischendurch müssen wir leider einen Job abwickeln, was eine längere und windige Pause hinter einem Schuppen am Weiderand erfordert und die eine oder andere Kuh durchaus irritiert.

Entsprechend durchgefroren rollen wir in Verdun ein und klopfen schon vor zwölf am Wintergarten eines angenehm wirkenden Hotels im Zentrum an. Unser positiver Eindruck bestätigt sich beim Eintreten: Der Wintergarten ist beheizt.

Schöner als es scheint: Verdun-sur-le-Doubs.

Wir ordern Plat du jour und dürfen uns für 12,50 € pro Nase mit einer Quiche, einer sehr guten gekochten Rinderbrust und einer feinen Tarte de pomme vergnügen. Neben den Bissen arbeiten wir noch ein bisschen und wärmen vor allem auf.

Hier findet der Doubs (rechts) sein Ende in der Saône (links).

Gut gestärkt geht's auf der Straße weiter gen Chalon-sur-Saône, unterwegs folgen wir einem Traktor, der uns mit bis zu 30 km/h über den Asphalt zieht. Irgendwann scheint der Fahrer aber den Spaß an seinem guten Werk zu verlieren, er beschleunigt leicht und hat dabei den Vorteil, dass er aus seiner Maschine mehr heraus holen kann als wir aus uns. Schon ist er weg.

Da der siebte Tag von alters her einen guten Ruf als Ruhetag hat, denken auch wir in diese Richtung. Und da fällt uns ein, dass wir vor einigen Jahren in Tournus ein großes Flusskreuzfahrtschiff voller AmerikanerInnen gesehen haben, die ganz begeistert über ihre Fahrt von Chalon-sur-Saône nach Lyon und Avignon berichteten.

Was der gemeine Ami kann, können wir schon lange. In der Stadt fragen wir uns deshalb zum Fluss durch und fahren direkt an die Anlegestelle der Flusskreuzfahrer. Dort fragen wir gleich beim ersten Schiff nach einer freien Kabine bis Avignon. Patrick, der Reiseleiter, ist Franzose („Isch bin Europeär aus där Provence Fronkreisch.“) und trotzdem ein aufgeschlossener Typ. Er ruft die Reederei in Bonn an, wir werden uns einig und packen die Räder an Bord – Abfahrt ist um sieben, da bleibt uns noch viel Zeit.

Schön liegen bleiben, wir kommen gleich wieder.

Die freie Zeit nutzen wir, um in Radklamotten durch die Stadt zu flanieren. Am Place de l'Hôtel de Ville unterbrechen wir dieses Unterfangen, um vor der gleichnamigen Bar in der Sonne zu sitzen und mehrere Cafés zu konsumieren.

Danach stöbern wir durch die Stadt, ich kaufe einen neuen Schnürsenkel, der Rest ist Schaufensterbummel – als Radfahrer hat man erfreulicherweise keinen Platz für ausgiebige Einkäufe. Interessant dabei: Die Fußgängerzonen in französischen Städten haben natürlich auch einige der unvermeidlichen Kettenläden im Angebot (1-2-3, ZaraComptoir des Cotonniers, IKKS), bieten außerdem aber eine unglaubliche Vielfalt lokaler Geschäfte, die das Bummeln deutlich abwechslungsreicher und interessanter machen als den Weg durch das ewiggleiche Angebot in deutschen Einkaufsstraßen.

Rette sich, wer kann.

Usechs Uhr kommen wir zurück zum Schiff, nun lässt man uns an Bord. Wir duschen, gewöhnen uns auf unseren paar Quadratmetern ein und pilgern um sieben zur offiziellen Begrüßung in die Bar; es gibt ein sehr buntes, sehr süßes Getränk, das sie Cocktail nennen. Mo und eine andere ältere Frau drücken den Altersschnitt der Gäste mit vereinten Kräften auf knapp unter 70, nach der Vorstellung der MitarbeiterInnen und des Programms der nächsten Tage – die anderen müssen ja bleiben – schleppen sich alle zum Abendessen.

Es gibt totes Huhn, wir sitzen mit zwei ziemlich spröden Berlinern an einem Tisch. Gegen neun fahren wir an Tournus vorbei, danach gehen wir früh schlafen.

Heidewitzka, Her Kapitän!
Ganz klar: Wenn hier etwas untergeht, dann nur die Sonne.
Tournus aus völlig neuer Perspektive.